Juraleitung: Schwabach lehnt nun beide Varianten komplett ab

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Für den Stadtrat ist die umstrittene Höchstspannungsleitung nicht akzeptabel

SCHWABACH – Der Widerstand der Stadt Schwabach gegen die Juraleitung wächst. Mittlerweile lehnt der Stadtrat beide Planungsvarianten der umstrittenen Höchstspannungstrasse komplett ab – sowohl die am nördlichen als auch am südlichen Stadtrand.

Für die Südtrasse der umstrittenen Höchstspannungsleitung, die auch durch den Landkreis Roth führen würde, galt die Ablehnung bislang lediglich „in der vorliegenden Form“. In der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses wurde diese Einschränkung jedoch gestrichen und damit die Position des Stadtrates unmissverständlich verschärft. Im Rahmen des beginnenden Raumordnungsverfahrens bezieht die Stadt somit eindeutig Stellung.

„So geht das nicht“: Dieser Satz fiel gleich mehrfach in der Sitzung des Umweltausschusses – und dies war die noch diplomatische Formulierung. FDP-Stadtrat Axel Rötschke brachten die Stimmung besonders pointiert auf den Punkt: „Setzen, sechs.“

„Wir brauchen weder die eine noch die andere“

Zu Beginn des Raumordnungsverfahrens, das die Regierung der Oberpfalz leitet, kann die Stadt als „Träger öffentlicher Belange“ eine Stellungnahme abgeben. Und bislang hatte der Schwabacher Stadtrat die Nordtrasse im Bereich Dietersdorf und Wolkersdorf in Richtung Katzwang grundsätzlich abgelehnt. Für die Südtrasse galt das Nein bislang nicht so kategorisch, aber das hat sich nun geändert.

„Für Schwabach ist keine dieser Varianten tragbar. Wir brauchen weder die eine noch die andere“, betonte Martin Sauer (SPD). Selbst wenn man wollte, könnte man in Schwabach das berühmte St. Florians-Prinzip gar nicht anwenden, fügte er süffisant hinzu. „Wir haben die Wahl, entweder die Bürger in Wolkersdorf im Norden oder die in Untermainbach im Süden zu beglücken.“

Mindestabstand wird nicht überall eingehalten

Eingangs hatte Lars Kullick vom Stadtplanungsamt den aktuellen Sachstand skizziert, denn mittlerweile hat der für die Planung verantwortliche NetzbetreiberTennet eine Reihe von Verästelungen vorgenommen. An den Trassenkorridoren habe sich aus Schwabacher Sicht aber grundsätzlich nichts geändert, betonte Kullick. Sowohl in der Nord- wie in der Südvariante würde der in der Regionalplanung geforderte Mindestabstand zur Wohnbebauung von 400 Metern nicht überall eingehalten. https://player.glomex.com/integration/1.370.1/iframe-player.html?integrationId=10bu2c240jl5b1xyb&playlistId=pl-c6864f91mlcw&playlistIndex=0&origin=glomex-player&pageUrl=https%3A%2F%2Fwww.nordbayern.de%2Fregion%2Fjuraleitung-schwabach-lehnt-nun-beide-varianten-komplett-ab-1.10499978

Zudem drohten massive Eingriffe in die Natur. Und auch die Planungshoheit der Stadt würde eingeschränkt. Beispiel: Eine Variante der Südtrasse führt direkt über den Gewerbepark West. „Das wäre ein Drama für die Gewerbeansiedlung“, so Kullick.

Eine wichtige Neuerung betrifft die Erdverkabelung. Die war lange Zeit ausgeschlossen, mittlerweile aber habe der Bund die Juraleitung als Pilotprojekt eingestuft. „Damit wäre eine Erdverkabelung zumindest möglich“, erläuterte Kullick. Im Blick ist dabei vor allem Katzwang. „Die Trassenführung über Katzwang ist ein Riesenproblem“, so Kullick. Oberirdisch gibt es eine Vielzahl großer Probleme mit den Abstände. Die Stadt Nürnberg lehnt aber auch eine Erdverkabelung wegen massiver Eingriffe ab.

Zweifel an der grundsätzlichen Notwendigkeit

Auch Schwabach wäre indirekt betroffen, weil wohl im Bereich Wolkersdorf ein „Einlaufbauwerk“ für den Übergang zur Erdleitung errichtet werden müsste. „Und das wäre ein großes Bauwerk“, so Kullick weiter. Eine theoretische Alternative wäre die Umgehung Katzwangs durchs Rednitztal. Die aber komme aus Naturschutzgründen keinesfalls in Frage.

Neben dem Streit um die beste Trasse gibt es aber auch noch die Grundsatzkritik. Im Stadtrat bezweifelt man die grundsätzliche Notwendigkeit. „Die Juraleitung ist nicht nur eine Katastrophe für Anwohner und Natur, sondern auch schädlich für die dezentrale Energieversorgung“, sagte Sozialdemokrat Sauer. Allerdings sieht die Bundesnetzagentur das ganz anders. Deshalb steht die Juraleitung im gesetzlich verabschiedeten Bundesbedarfsplan.

gw

Ein Kommentar zu „Juraleitung: Schwabach lehnt nun beide Varianten komplett ab

  1. Unsere Aufforderung zum EuGH zu gehen, um endlich die Abstände der Hochspannungstrassen zu den Wohngebieten klar zu stellen, wird dringend empfohlen. Nur über eine ganz klare Europa gültige Regelung wird Bewegung in die Trassenführung und damit auch die Bundesregierung mit Peter Altmeier zurück an den Verhandlungstisch bringen. Dann müssen auch unsere vielen alternativen Vorschläge, wie beispielsweise dezentrale (Heiz-)Kraftwerke, Kraftwerke für den Industriebedarf im Chemiedreieck, kompletter Ausbau ausschließlich nur mit Gleichstrom, usw. nicht nur wohlwollend gehört werden, sondern auch realisiert werden. Auch die vernünftige, für Bayern noch gültige 10H-Regelung für die Windräder, gehört dazu.

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