SC-Tagblatt 10.07.2019: Stromtrasse: Entsetzen auch in Katzwang

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Stromtrasse: Entsetzen auch in Katzwang

Landwirte sehen durch eine der Alternativtrassen der Juraleitung das jahrhundertealte Kulturgut der Wiesenwässerung in Gefahr. – vor 1 Stunde

Derzeit werden die Rednitzwiesen wieder geflutet. Herbert Adel aus Nasbach, der Vorsitzende des Wässerverbandes Pflugswehr, bedient eines der kleinen Schütze, mit denen das Wasser aufgestaut werden kann. Außerdem von links nach rechts zu sehen: Stefan Nehmeier aus Oberbaimbach (Vorsitzender des Wässerverbandes Hopfengarten), die Landwirte Thomas und Michael Güthlein aus Katzwang; rechts von Herbert Adel Landwirt Dieter Zimmermann aus Limbach, Konrad Neubauer aus Greuth, der Vorsitzende des Wässerverbandes Igelsee, BBV-Obmann Gerhard Zimmermann aus Katzwang und Landwirt Reiner Wiedmann aus Greuth.

Derzeit werden die Rednitzwiesen wieder geflutet. Herbert Adel aus Nasbach, der Vorsitzende des Wässerverbandes Pflugswehr, bedient eines der kleinen Schütze, mit denen das Wasser aufgestaut werden kann. Außerdem von links nach rechts zu sehen: Stefan Nehmeier aus Oberbaimbach (Vorsitzender des Wässerverbandes Hopfengarten), die Landwirte Thomas und Michael Güthlein aus Katzwang; rechts von Herbert Adel Landwirt Dieter Zimmermann aus Limbach, Konrad Neubauer aus Greuth, der Vorsitzende des Wässerverbandes Igelsee, BBV-Obmann Gerhard Zimmermann aus Katzwang und Landwirt Reiner Wiedmann aus Greuth. © Foto: Robert Gerner

Um es einmal flapsig auszudrücken: Seitdem der Stromübertragungsnetzbetreiber Tennet im Mai einige Alternativvorschläge für den Ersatzneubau der Juraleitung P 53 zwischen Raitersaich und Ludersheim auf den Tisch gelegt hat, brennt westlich, östlich und südlich von Schwabach der Baum. Eine Ausweichroute der 380-kV-Höchstspannungsleitung durch Rohr, Kammerstein, Büchenbach, Rednitzhembach und Schwanstetten wollen Bürger und Kommunalpolitik dort mit allen Mitteln verhindern.

Relativ wenig hat man bislang aus Katzwang und Umgebung gehört, also nördlich von Schwabach. Die Katzwanger haben die jetzige 220-kV-Leitung gewissermaßen direkt vor der Haustür. Der südlichste Nürnberger Stadtteil gilt beim Ersatzneubau als neuralgischer Punkt. Nur weil hier die geforderten Abstände zur Wohnbebauung – bislang etwa 90 Meter – niemals eingehalten werden können, hat sich Tennet erst auf die Suche nach Ausweichrouten gemacht beziehungsweise machen müssen. Eine mögliche Variante würde, aus Richtung Wolkersdorf kommend, zunächst bis kurz vor die Tore Katzwangs führen, von dort aber einen Rechtsschwenk machen und durch das Rednitztal bis zur A 6. Von dort aus ginge es entlang der Autobahn weiter.

Schon die B2 verhindert

Gerhard Zimmermann kann über solche Gedankenspiele nur den Kopf schütteln. Man habe nicht in jahrzehntelangem Kampf den Weiterbau der B 2 verhindert, um jetzt zuzusehen, wie eine Stromtrasse das Rednitztal zerschneidet. Drei wesentliche Gründe gegen den Ersatzneubau auf dieser Route führt der Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbands für Katzwang und Greuth ins Feld.

Erstens: Der Mensch. Die Bewohner links (Alt-Katzwang) und rechts (Kappelberg) der Trasse hätten die Leitungen gewissermaßen direkt vor dem Schlaf- oder Wohnzimmer. Die Masten seien zwar 55 Meter hoch, mindestens. Doch auch die zu Schwabach gehörende Siedlung am Kappelberg als auch Alt-Katzwang würden ja höher liegen als das Rednitztal. Die Trasse würde auch zu einer Verschandelung eines wichtigen Naherholungsgebietes und zu einer Beeinträchtigung einer der wichtigsten Frischluftschneisen im Süden von Nürnberg führen, so Zimmermann.

Zweitens: Die Tiere. Das Rednitztal ist ein streng geschütztes Habitat. Gerhard Zimmermann hat eine Liste von gefährdeten Arten, die hier noch heimisch sind. Die Liste umfasst mehrere dutzend Namen. Das beginnt bei den Störchen und den Greifvögeln und hört bei seltenen Insekten wie der Gebänderten Heidelibelle noch nicht auf.

Für (Groß-)Vögel seien die Höchstspannungsleitungen potenzielle Todesfallen, wie man an einem der Katzwanger Altstörche jüngst gesehen hat, der sich an der Hochspannungsleitung einen Flügel gebrochen hat und eingeschläfert werden musste. Und kleine Tiere würden aus einem anderen Grund verschwinden, sagt Zimmermann, was zu Punkt drei der Argumentationskette der heimischen Landwirte führt, nämlich:

Einmaliges Kulturgut

Drittens: Das Kulturgut der Wiesenwässerung. Die Wiesen im Rednitztal werden schon seit mehr als 350 Jahren zwischen Mai und September regelmäßig gewässert. Zwischen Roth und Nürnbergs Norden gibt es ein Dutzend Wässerverbände, Zusammenschlüsse von Landwirten, die an der Rednitz und/oder an kleinen Nebenflüssen Wasserrechte besitzen. Über ein komplexes und genau austariertes Geflecht an Kanälen können sie verschiedene Bereiche des Tals nach und nach fluten.

Vorübergehend schien das ein Anachronismus zu sein. Doch der Klimawandel mit seinen langen Trockenphasen hat zu einem Umdenken geführt. In Nordbayern wird es bei vielen Landwirten nicht zum dritten Grünschnitt reichen, das Futter für die Tiere könnte deshalb im Herbst wieder knapp werden. Die Landwirte im bewässerten Bereich des Rednitztals können dagegen mindestens viermal mähen.

Bald Weltkulturerbe?

Egal, ob die Höchstspannungsleitung als Freileitung durchs Rednitztal führen würde oder die Leitungen in der Erde verbuddelt werden würden: Die heimischen Landwirte fürchten nicht mehr gut zu machende Schäden an dem jahrhundertealten Bewässerungssystem – und führen als Beispiel die Verbreiterung der A 6 ins Feld, wo es nur um wenige Quadratmeter ging und wo nach Beendigung der Bauarbeiten die Bewässerung nicht mehr funktionierte, trotz aller Bemühungen der Ingenieure. Das System ist so einmalig, dass es Chancen hat, in die Liste der Weltkurlturerbe-Güter aufgenommen zu werden. „Eine entsprechende Anfrage hat es gegeben“, sagt Gerhard Zimmermann.

Zimmermann hat in den nächsten Tagen ein Gespräch im Nürnberger Rathaus. Am Freitag wird der Grünen-Politiker und Energie-Experte Martin Stümpfig in Katzwang erwartet. Doch der BBV-Obmann vermisst derzeit noch die Unterstützung für die Katzwanger Nöte. „Aus dem Nürnberger Rathaus kam, anders als bei den Gemeinden im nördlichen Landkreis Roth, noch nicht so viel“, beklagt er. Aber was nicht ist, kann ja noch werden: „Wir werden in jedem Fall dranbleiben.“

ROBERT GERNER

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